Ist Reichtum wirklich böse? Oder was hat es mit dem Kamel und dem Nadelöhr auf sich?
(von Torben Zahradnicky)
In vielen christlichen Kreisen wird Reichtum als böse bzw. als Sünde angesehen. Häufig ist dies gerade in besonders gesetzlichen Kreisen der Fall, in denen mehr der Buchstabe als der Geist gelebt wird. Jedoch tötet der Buchstabe, und der Geist macht lebendig.
Jetzt wird von den genannten Kreisen die Aussage Jesu herangezogen, dass eher ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher in den Himmel komme. Doch in der Bibel geht es häufig um Prinzipien. Diese Prinzipien, die gelernt werden, werden durch den Geist offenbart. Dabei ist endscheidend, dass die Bibel Reichtum nicht grundsätzlich verurteilt. So waren zum Beispiel Abraham oder König Salomo wohlhabend und galten dennoch (oder gerade deshalb? ;-)) als von Gott gesegnet. Hierbei wird nicht Reichtum als Sünde dargestellt, sondern vielmehr die Haltung des Menschen dazu. Man könnte sich auch die Frage stellen: „Dient das Geld mir oder diene ich dem Geld?“ Problematisch wird es, wenn das Geld den Platz Gottes im Herzen einnimmt und ich somit dem Geld diene. Das Geld sollte aber als von Gott geschicktes Werkzeug mir dienen. Dadurch kann ich auch wieder Positives für die Welt freisetzen.
Schauen wir uns nochmal die bekannte Aussage vom Kamel und dem Nadelöhr an. In Jerusalem hat es ein kleines Stadttor gegeben, das „Nadelöhr“ genannt wurde. Ein Kamel konnte dieses Tor nur passieren, wenn es entladen wurde und sich mühsam hindurchzwängte. Was sagt uns das? Reichtum kann den Zugang zu Gott erschweren, wenn wir uns nicht geistlich „entladen“ indem wir „nackt“ also so wie wir sind, zu Gott kommen, und zwar nur mit unserem Sein in der Identität als Kind Gottes und nicht in der Identität als Reicher, der dem Reichtum dient. Wir sind also reich, kommen aber vor Gott nur so, wie wir tief in unserem Inneren sind, weil wir wissen, dass darin unsere Sicherheit liegt. Wenn wir dies tun, können wir den Reichtum dann nutzen, um durch Gott in uns für die Welt Gutes zu bewirken. Außerdem dient der Reichtum der Selbstliebe. Diese ist nicht böse. Schließlich heißt es: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Wir können also unseren Nächsten nur lieben, wenn wir auch uns lieben.
In alldem sind wir uns unserer Identität als Kinder Gottes bewusst. Ja wir sind Kinder Gottes, nicht Kinder des Geldes. Dann können wir durch Gott in uns mit dem Reichtum wirken für die Welt!